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IGELMETAL - Interview

Reaper - Von den alten Ägyptern, Goethe und anderen Einflüssen "Gardens Of Seth"

Deutscher Heavy Metal aus den 80er Jahren geniesst weltweit inzwischen schon so etwas wie einen Kultruf in der weltweiten Underground- und Die-Hard- Szene. Neben im Nachhinein etablierten Bands wie Iron Angel, Gravestone, High Tension oder Tyrant gibt es aber auch die heutzutage immer noch unbekannten und unentdeckten Bands. Dazu gehören auch Reaper aus Kassel, die sich allerdings erst 1986 gründeten. Noch im gleichen Jahr wurde als Eigenproduktion Fairies Return veröffentlicht. Dann folgten mit Beyond All Time (1990) und The Years  Within (1992) zwei Full-Length-Alben und dann hörte man erstmal nix Neues von den Jungs. Nach zehn Jahren veröffentlichten die Jungs das Demo Elements, dem zwei Jahre später das nächste Demo Victory V folgte. Nochmal hat es fünf Jahre gedauert, bis das aktuelle Werk Gardens Of Seth das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Und das ist so stark ausgefallen, dass wir Mastermind Daniel Zimmermann (nein, nicht der Gamma Ray/Freedom Call/Iron Savior- Drummer!) kontaktierten.


Erstmal meinen Glückwunsch zum gelungenen Album, das man ja als Comeback bezeichnen kann. Wieso eigentlich die lange Pause zwischen 1992 und 2002 und was habt ihr in der Zeit so getrieben?

Es gab tatsächlich eine Pause, so lang war sie allerdings auch nicht. 1993 hat uns unser früherer Sänger Benny verlassen und wir versuchten einen neuen zu finden, was aber nicht klappte und daher mache ich das seitdem. Dann gab es einige weitere Umbesetzungen, bis sich das Ganze so ab 1998 wieder einigermaßen stabilisiert hatte.


Für die Leute, die Euch erst mit Gardens Of Seth kennengelernt haben - wie habt ihr denn auf der EP Fairies Return und beiden LPs Beyond All Time und The Years Within geklungen? Vergleichbar wie heute oder ganz anders?

Ich würde sagen, wir klangen damals völlig anders, was natürlich vor allem am Gesang lag, der vielleicht etwas Helloween-mäßiger war. Es gibt aber auch Leute, die sagen, wir würden immer noch den gleichen Mist wie früher machen. Aber mal im Ernst, seit damals hat sich viel verändert, es gab eine Menge interessante Bands mit tollen Alben, das beeinflusst einen natürlich, der Musikgeschmack verändert sich, entwickelt sich weiter.

Sind die Songs auf dem Album eigentlich alle taufrisch oder habt ihr da auch ältere Ideen verwandt?

 


Nein, die Songs sind eigentlich alle verhältnismäßig neu, bis auf den Erlkönig, der wurde bereits 1782 (Text), bzw. 1795 (Musik) geschrieben.

Die meisten Songs sind ja vorwiegend schnell. War das eine bewusste Planung oder hat sich das ganz natürlich ergeben?

Unser letztes Demo, Victory V, enthielt eigentlich nur schnelle Songs, das gefiel mir und ich dachte, das Album muss genauso werden. Aber das konnte nicht funktionieren, es wäre langweilig geworden. Es war also durchaus eine bewusste Entscheidung, auch weniger schnelle Songs draufzupacken.

Im Booklet steht, dass Daniel für die Musik und die Texte verantwortlich ist. Warum beteiligt sich der Rest der Band eigentlich nicht am Songwriting?


Das stimmt so nicht ganz. Tatsächlich schreibe ich zwar die Musik und die Texte, aber die anderen, insbesondere unser Drummer, Jan, haben einen sehr großen Anteil daran, wie das Ganze letztlich klingt. Die Versionen der Songs, die ich zu Hause am Computer aufgenommen hatte, unterscheiden sich zum Teil sehr von denen, die wir veröffentlicht haben. Letztlich zeigt es sich erst im Übungsraum, ob eine Idee was taugt oder nicht.

 

Lass uns doch mal über das Cover sprechen. Das ist ja weder eine Zeichnung noch eine Fotografie, sondern wirkt eher wie eine Collage. Hattet ihr bei dem Cover eine konkrete Vorstellung an den Zeichner oder habt ihr dem freie Hand gelassen?


Dazu Bassist Matthias:

Das Cover stammt von mir. Eine Band wie wir muss auf jeden Cent achten, da wollte ich das selbst in die Hand nehmen. Da die Fotos der Ruine von unserer aktuellsten Bandfotosession stammen, war es nahe liegend, diese in das Cover zu integrieren. Nachdem der Titel des Albums feststand, hatte ich nur die Vorstellung, dass es düster sein sollte. Die Fotos, die ich benötigte, bekam ich von unserem Bandfotografen oder machte sie im Umland selber. Der Rest war dann ein fortwährendes Probieren, welches Teil passt wohin und wie ist der Gesamteindruck, der dadurch entsteht.

 

Wie seid ihr denn auf den altägyptischen Gott Seth gekommen? Er wird ja in der ägyptischen Mythologie mit Stürmen und Unwettern und auch mit dem Chaos in Verbindung gebracht. Was hat Euch an seinem Charakter gereizt? Seht ihr eine Verbindung zwischen der damaligen und der heutigen Zeit?

 

Seine Ambivalenz machte ihn für uns interessant. Seth wurde mit positiven wie negativen Eigenschaften ausgestattet und war sowohl Todesgott, als auch Gegenspieler von Horus, dem Chef-Gott, hier besteht eine gewisse Ähnlichkeit mit der Figur Lucifers.

Der Vergleich damals/heute erscheint mir etwas problematisch, die ägyptische Hochkultur bestand ja gut und gerne 3000 Jahre, sicherlich gab es etliche Entwicklungen, die sich mit der heutigen Situation vergleichen ließen, aber so generell kann man das nicht über einen Kamm scheren. Interessant finde ich z.B. dass es damals auch eine Art von Globalisierung gab, der Mittelmeerraum war ja die gesamte bekannte Welt, mit ganz ähnlichen Problemen, wie Wirtschaftskrisen, Ressourcenverknappung und Migrationswellen.

 

Der Albumtitel ist ja ein Instrumental, was ziemlich ungewöhnlich ist. Warum ist gerade nach diesem Track das Album benannt worden und inwieweit ist die Atmosphäre, die auf dem Cover zu sehen ist, repräsentativ für die anderen Songs auf dem Album?

 

Albumtitel, Covermotiv und Instrumental haben sich relativ unabhängig voneinander entwickelt, aber irgendwann ergab sich einfach die Notwendigkeit, alle Einzelteile zu einem Ganzen zusammenzufügen. Da erschien uns diese Kombination einfach passend.

 

Der Text von The Age Of Hunger dreht sich um die Klimakatastrophe, die immer weitere Kreise zieht. Denkst Du, diese lässt sich überhaupt noch vermeiden? Wird es mit der Welt soweit gehen wie im neuesten Emmerich-Film 2012 dargestellt und was tut ihr selbst dafür, etwas Gutes gegen die Klimakatastrophe zu tun?

 

Um wirklich etwas gegen den Klimawandel zu tun, müsste ich, wie wohl jeder Bewohner der westlichen Welt, mein Leben komplett umkrempeln. Ich fahre jeden Tag 120 km zur Arbeit und zurück, das ist der totale Irrsinn, wenn man bedenkt, wie viel Öl ich damit verbrenne und wie viel CO2 dabei entsteht. Ich benutze außerdem ständig irgendwelche Geräte, die Strom verbrauchen und später als Müll die Umwelt belasten, diese Liste ließe sich beliebig fortführen, da hilft das bisschen Fahrradfahren auch nicht mehr. Von daher 1:0 für Emmerich oder den Club of Rome und all die anderen, die schon seit Jahrzehnten vor dem warnen, was wohl kommen wird. Realistischerweise muss man einfach sagen, Umweltschutz wird erst dann funktionieren, wenn man damit Geld verdienen kann.

 

Wie kommt man denn darauf, das Göthe- Gedicht Der Erlkönig zu vertonen und wie ist die Musik dazu entstanden?

 

 Die Musik ist nicht auf unserem Mist gewachsen, die ist von Franz Schubert, lustigerweise konnte Goethe sie überhaupt nicht leiden, da hatte das Universalgenie wohl ein Brett vor dem Kopf. Ich kann gar nicht sagen, wann ich es zum ersten Mal gehört habe, ich muss noch ziemlich klein gewesen sein. Es hat mir Angst gemacht und gleichzeitig war es auch toll, so wie Achterbahnfahren. Später habe ich meine Analysearbeit darüber geschrieben und da lag der Gedanke nahe, es auch mit der Band zu spielen. Ich musste lediglich das Klavier auf zwei Gitarren und den Bass umverteilen, was natürlich mit einigen faulen Kompromissen einherging.

 

Der Gesang klingt dort ganz anders. Hast Du auch den Song eingesungen? Und habt ihr bei dem Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn mal überlegt, für beide Charaktere zwei verschiedenen Stimmen zu verwenden?


Den Gesang habe ich allein gemacht, da kann ich keinem anderen die Schuld für in die Schuhe schieben. Wir haben ihn allerdings tatsächlich schon mit verteilten Rollen gebracht, nämlich kürzlich auf unserem Jubiläumskonzert in Kassel, da hat Matthias 12jähriger Sohn Maximilian den Sohn gesungen.

 

Auch Light Of Anger unterscheidet sich deutlich von dem übrigen Songmaterial, geht der Track doch als reiner Doom- Song durch. Seid ihr Anhänger von Candlemass & Co.?

 

Klar, der Song ist natürlich eine Black Sabbath Hommage, die waren schließlich so was wie die Gründerväter des Heavy Metal, aber auch Candlemass, Trouble oder Saint Vitus gehören zu den richtig großen Bands.

 

Die CD ist ja bei STF Records rausgekommen. Hättet ihr die CD eigentlich auch als Eigenproduktion veröffentlicht, wenn ihr kein Label gefunden hättet? Und was kann ein Label in Zeiten von Downloads und schwächelnden Verkaufszahlen überhaupt noch für eine Band neben Promotion und Vertrieb tun?

 

Daneben sicherlich nichts, aber Promotion und Vertrieb sind ja schließlich die Hauptsache, mehr kann man auch gar nicht erwarten. Wir hätten das Album natürlich irgendwann im Eigenvertrieb veröffentlicht, aber so ist uns das Ganze doch lieber.

 

Warum habt ihr auf Eurer My Space- Seite eigentlich keine Songs vom aktuellen Album sondern nur ältere Tracks?

 

Das ist mittlerweile erledigt. Wir mussten nur erstmal mit STF abklären, ob und in welcher Form wir die Sachen bei My Space veröffentlichen dürfen.

 

Für eine eher unbekannte Band, wie ihr es ja noch immer seid, führt doch nichts daran vorbei, viel live zu spielen, um bekannter zu werden. Was habt ihr da in der nächsten Zeit geplant?

 

Da sprichst du den zentralen Punkt an. Wir spielen überall wo man uns lässt, oder zumindest da, wo wir nicht auch noch draufzahlen müssen. Ich hoffe doch sehr, dass sich für 2010 noch möglichst viele Gigs ergeben.

 

Gab es in der Zeit, wo die Band auf Eis lag, auch mal den Gedanken, andere musikalische Projekte ins Leben zu rufen?

 

Eigentlich nicht, lustigerweise kam das erst, als Reaper wieder etwas aktiver wurden. Ich spiele noch in einer etwas Rock n Roll-lastigeren Band namens Burning Hellmet und Jan spielt Bass bei Hellforce, die machen schönen Old School Death Metal.

 

Ich finde, ihr habt einen deutlichen Grave Digger- Touch, was Gesang und Drums anbelangt. War das schon immer so oder seht ihr das anders?

 

Was das Drumming anbelangt, bin ich mir da nicht so sicher, aber beim Gesang ist das wohl nicht zu leugnen, denn das sagen viele Leute, vermutlich unabhängig voneinander. Ich nehme an, ich habe einfach eine ähnliche Stimmlage wie Chris Boltendahl, was weiß ich, Grave Digger gehören jedenfalls nicht zu den Bands, von denen ich mich musikalisch beeinflusst fühle, aber vielleicht haben wir ja einen ähnlichen Background.

 

Mein Kumpel, der in Kassel wohnt, meinte, dass ihr dort ziemlich bekannt seid. Wie kommt das eigentlich? Wart ihr da immer besonders aktiv?

 

Nun ja, wir wohnen schließlich in Kassel, von daher ergeben sich eher mal Möglichkeiten irgendwo zu spielen, einfach weil wir die Leute persönlich kennen und sie direkt ansprechen können. Leider können wir natürlich nicht zehnmal im Jahr in Kassel spielen, aber, wie gesagt, wir spielen auch gerne irgendwo anders. Allerdings möchte ich auch mal sagen, dass Kassel zur Zeit eine durchaus brauchbare Szene hat, da gibt’s größere Städte, wo nicht so viel los ist, auch wenn leider die größeren Bands immer einen weiten Bogen um Kassel machen, aber der Underground lebt.

 

Das Interview führte Hans of steel für euch.

 

METALMASTERS - Interview

REAPER: Im Kreuzverhör

Geschrieben von Warmaster, Freitag, 19. Februar 2010

Geführt am Mittwoch, 17. Februar 2010


Eines der Urgesteine des teutonischen Metal - REAPER aus Kassel spielen schon ein Vierteljahrhundert zusammen (!) - stand mir Rede und Antwort ...

 

REAPER – Der Name alleine ist ja schon Klischee pur, aber angesichts der dargebotenen Musik auch wieder logisch. Wie ist der Name eigentlich entstanden ? ... aus einer Bierlaune heraus ?


Matthias: Die Namensgebung haben wir unserem ersten Drummer zu verdanken. Allerdings war die Reapermania zu diesem Zeitpunkt, ist ja immerhin schon eine ziemliche Zeit her, noch nicht so intensiv wie heute. Da dachten wir schon, dass ist der Name für eine Band.

 

Zurück zu den Wurzeln könnte man angesichts eures aktuellen Albums "Gardens Of Seth" meinen, aber ihr zieht das Ding ja jetzt schon ein Vierteljahrhundert durch. Eine derartige Bandgeschichte bedarf einer gesonderten Würdigung - erzählt doch mal ein wenig aus dieser irre langen Zeit...

 

Matthias: Jetzt eine umfassende Aufzählung oder gar einen Roman zu verfassen, würde den Rahmen des Interviews sicherlich sprengen. Ein heißer Tipp wäre, mal auf unserer Site zu stöbern und dem Untermenü 25 Years of Heavy Metal zu folgen. Dort habe ich die letzten 25 Jahre Reaper ein wenig Revue passieren lassen.

 

Somit habt ihr ja eigentlich alles seit NWOBHM selbst miterlebt, auch das Entstehen neuer Musikstile wie Black Metal, Death Metal oder Nu Metal.Hat euch das irgendwie beeinflußt bzw. hört ihr überhaupt stilübergreifend Musik?

 

Daniel: Ich bin tatsächlich so alt, dass ich meinen Teil der NWOBHM durchaus noch miterlebt habe. Leider muss ich zu meiner ewigen Schande gestehen, dass ich die wichtigsten Konzerte in Kassel Anfang der 80er (Iron Maiden und Judas Priest) nicht gesehen habe, danach habe ich mir aber alle Mühe gegeben, diese Scharte wieder auszuwetzen.

Ich würde behaupten, dass man unsere Death- und Black Metal Bezüge durchaus hört. Zum einen ist die Zeit ja nicht stehen geblieben, es sind eine Menge tolle Bands mit großartigen Alben aufgetaucht, da wäre man ja bescheuert das alles zu ignorieren, zum Anderen haben ja Black- und Death Metal auch ihre Vorreiter in der NWOBHM gehabt, ich sag nur Witchfynde.

An Nu Metal (Metal Core etc.) hab ich kein Interesse, kann da auch keine eigenständige musikalische Richtung drin erkennen, einfach nur bei alten In Flames klauen reicht nicht, um ein neues Genre zu etablieren. Aber da sich In Flames seinerzeit auch schön bei Iron Maiden bedient haben, schließt sich sogar hier wieder der Kreis zu NWOBHM.

 

Thomas: Ich bin aufgrund meines Alters erst in den 90ern zum Metal gekommen. Meine Einstiegsdroge waren damals Guns n’ Roses, wie bei wahrscheinlich vielen Leuten damals. Als nächstes kaufte ich mir die Painkiller. Seitdem war es um mich geschehen. Da muss ich ungefähr 14 Jahre alt gewesen sein. Ich habe mir dann den ganzen alten Kram wie z.B. Gary Moore besorgt, während viele meiner Freunde über Grunge zum NuMetal gefunden haben. NuMetal ist für mich auch keine Musikrichtung, da gibt’s einfach nix was mich vom Hocker reißt. Da gönne ich mir doch lieber eine gute alte Morgoth Scheibe.

 

Wo genau stammt ihr eigentlich her?

Daniel: Aus Kassel, also dem finsteren Nordhessen, wo man mit Äppelwoi, oder gar aufgesetzter Freundlichkeit so gar nichts am Hut hat. Hier sind die Menschen ehrlich zu dir und wenn sie dich nicht leiden können, was oft der Fall ist, haben sie auch keine Scheu, es dir offen zu zeigen.

 

Gibt es dort eine gesunde Metal-Szene ? – Habt ihr Kontakt zu anderen Bands ?

Daniel: Ja, würde ich so sagen. Die „Szene“ ist natürlich nicht besonders groß, aber durchaus produktiv, es gibt da einen bemerkenswerten Sampler (Masters of Cassel, 98 records), der eindrucksvoll zeigt, was es in Kassel an Bands so alles gab und gibt. Mit vielen von diesen Bands, z.B. Burden of Grief, Mesmerized oder Toxin haben wir sogar engen Kontakt, das heißt wir saufen auch gern zusammen.

 

Ihr seid ja zu viert, was die Entscheidungsfindung bei strittigen Fragen ja per einfacher Mehrheitsbildung grundsätzlich erstmal schwierig erscheinen läßt.Gibt es trotzdem so etwas wie einen „Mastermind" in der Band, einen, der bei Streitfragen dann doch das letzte Wort hat?

 

Daniel: Bei uns gibt es zu selten echte Streitfragen, um zu diesem Punkt wirklich etwas sagen zu können, Für gewöhnlich schaffen wir es, recht brauchbare und tragfähige Kompromisse zu finden.

 

Wie sind die bisherigen Reaktionen auf das aktuelle Album ?

Daniel: Wir hatten etliche sehr positive Kritiken und natürlich auch einige eher negative, das war nicht anders zu erwarten und ist ja auch völlig OK. Leider hat sich ausgerechnet das Rock Hard da völlig disqualifiziert, was die da abgedruckt haben, ist keine Kritik, sondern nur noch übelste Polemik. Das hat mich als Leser schon sehr getroffen, denn ich musste mich natürlich fragen, wie viele gute Alben ich wohl schon verpasst habe, nur weil ich deren Reviews für annähernd objektiv hielt.

 

Naja, Rock Hard halt ... ich halte es nur noch mit LEGACY und ab und an mit METAL HAMMER ...

 

Könnt ihr mal ein wenig über die einzelnen Songs auf dem Album erzählen; was hat es insbesondere mit dem "Erlkönig" auf sich ?

 

Daniel: Oha, zu allen Songs etwas zu sagen, würde wohl den Rahmen eines Interviews sprengen. Glücklicherweise konnten wir aber alle Texte im Booklet abdrucken, da kann sich also jeder sein eigenes Bild machen, das halte ich ohnehin für sinnvoller, denn ich habe schon häufiger erlebt, dass Leute meine Texte ganz anders interpretieren, als ich das tun würde.

Beim Erlkönig handelt es sich, wenn man so will, schlicht um eine Cover-Version. Der Text stammt von Goethe, die Musik von Franz Schubert, ich habe lediglich die Klavierbegleitung für  zwei Gitarren und Bass umgeschrieben, wobei einige Akkorde so nicht vollständig darstellbar waren, dafür hätte man noch ein paar Gitarrenspuren mehr gebraucht. Das Stück verfolgt mich seit frühester Jugend und da war es einfach nahe liegend, es mal im Bandkontext zu probieren.

 

Wer hat das kultige Cover entworfen und hat dieses eine Aussage bzw. Botschaft ?

Matthias: Ist wohl wieder mein Part, da ich das Cover gestaltet habe. Eigentlich war das Cover schon in Arbeit, bevor der Titel stand. Ich hatte mehrere Ideen, wie ein Cover zur nächsten Veröffentlichung aussehen könnte. Die, die mir am ehesten zu passen schienen, legte ich der Band vor und die Entscheidung fiel einstimmig. Daniel hatte sofort den Titel parat, der passte wie die Faust aufs Auge. Eine besondere Botschaft steckt nicht hinter dem Cover, es sollte einfach nur eine düstere Stimmung vermitteln.

 

In meiner Rezension zum Album habe ich ja auch auf die gesangliche Nähe zu Chris Boltendahl und überhaupt musikalisch zu GRAVE DIGGER verwiesen - ist da was dran oder weist ihr das weit von euch ?

 

Daniel: Was den Gesang betrifft, wäre das albern. Es ist kaum zu leugnen, das meine Stimme wohl so ähnlich klingt, wie die von Chris Boltendahl, auch wenn ich das selber nicht so höre. Aber da schon recht viele Leute das unabhängig von einander gesagt haben, wird schon was dran sein. Musikalisch kann ich das allerdings überhaupt nicht finden, ich bin kein großer Grave Digger-Kenner, aber die Songs, die ich kenne, haben keine sonderliche Ähnlichkeit mit Reaper Songs.


Thomas: Da muss ich Daniel zustimmen. Gesanglich gibt es durchaus Parallelen, aber musikalisch sehe ich keine. Ich höre Grave Digger sehr gerne und habe daher auch fast alle Alben zu Hause, aber im Songwriting gibt es da doch gewaltige Unterschiede. Da sich die meisten Leute am Gesang orientieren, werden Grave Digger oft als Vergleich herangezogen.

 

Hmmm... das hört dann wohl doch jeder ein bisserl anders...

 

Der klassische (Heavy) Metal wurde ja schon oft totgesagt; das hat diese Musikrichtung und ihre Protagonisten aber nie sonderlich gestört bzw. beeinflußt.Denkt ihr auch, daß das klassische Metal-Genre, insbesondere in seiner teutonischen Ausprägung, niemals totzukriegen ist?

 

Daniel: Keine Ahnung, ich weiß nicht, was noch alles kommen wird. Ich denke, Metal ist immer ein Spiel mit Extremen, aber irgendwann sind Extreme auch mal ausgereizt, was soll man machen? Schneller sein als Krisiun oder Dark Funeral? Technischer als Dream Theater? Finsterer als Celtic Frost auf Monotheist? Es gibt einfach Grenzen, klar werden die immer mal wieder ein Stück weiter verschoben, aber ich denke, dazwischen kommen immer wieder Phasen, wo Leute ganz von vorne beginnen und da sind die Alben deutscher Bands aus den 80ern durchaus ein guter Ausgangspunkt.

 Thomas: Ich denke, dass Rock Musik generell nicht tot zu kriegen ist, solange es noch Menschen gibt, die ihre Zeit lieber mit ihren Instrumenten und Freunden im Proberaum verbringen, als vor dem Computer.

 

Ich habe durch mittlerweile fünf Reisen und viele Kontakte eine sehr starke Verbindung zu den Metalszenen in Ecuador, Peru, Bolivien und vor allem Chile aufgebaut. Dabei habe ich festgestellt, daß Metal eine absolut völkerverbindende Sache ist, wo sich all die Politiker mit ihrer großen Klappe und ihren daraus hervorquellenden leeren Phrasen mehr als nur ein Stück abschneiden können. Wie steht ihr zu derlei Überlegungen bzw. welche Verbindungen wohin / zu wem gibt es bei euch so?

 

Daniel: Kontakte außerhalb Deutschlands haben wir leider nur über My Space, es wäre wirklich schön, einfach mal ein bisschen weiter herum zu kommen. Vielleicht wird das ja mal was dieses Jahr, z.B. in Polen, mal sehen. Vergleiche zwischen Musik und Politik hinken immer ein bisschen, glaube ich. Metal ist ein weltweites Phänomen, eine Kultur, der sich jeder zugehörig fühlen kann, da spielen Dinge wie Nationalität, soziale Herkunft usw. einfach keine Rolle. Metal muss aber auch keine drängenden Probleme lösen, Gesetze erlassen oder Gelder verteilen.

 

Wie sieht es mit Liveauftritten heuer aus ?

Daniel: Da muss dieses Jahr noch einiges passieren, aber wir arbeiten dran.

 

Man darf gespannt sein... 

 

Als "Alter Sack" (Baujahr 1960) habe ich die gesamte Entwicklung der harten Musik (in den 1970er Jahren nannte man das noch nicht "Metal") hautnah miterlebt und hänge somit an den alten Medien wie Vinyl und CD. Mit MP3s (die technischen Aspekte mal außen vor - 192 kb/s Abtastrate sind einfach lächerlich und das Abspielen über Notebooks auch) bzw. Downloads allgemein kann ich sehr wenig bis gar nichts anfangen (ich muß mindestens ein CD-Booklet in Händen halten).Wie steht ihr zu der meiner Meinung nach sich in vollem Gange befindlichenVerarmung (irgendwann gibt es nur noch "Myspace" und das ist sowas von öde ...) der Musikszene?

 

Daniel: Ich denke gerade im Metal geht’s dir da als Musiker noch recht gut. Hier gibt’s eben noch Leute, die ein Album in der Hand halten wollen, denen ne Datei auf dem Rechner nicht reicht und die keinen Bock haben, sich vorschreiben zu lassen, wie oft sie sich einen Song anhören können, bevor er wieder von der Platte verschwindet. Im Pop Musik Bereich ist das Gang und Gäbe, aber seien wir ehrlich, der größte Teil dessen hat es auch nicht besser verdient, das ist Musik für den einmaligen Gebrauch, Wegwerfmusik.

 

Da hast Du natürlich auch wieder recht...

 

Was macht ihr sonst so außer eurer Musik?

Daniel: Außer arbeiten gehen eigentlich nicht mehr allzu viel. Ich spiele aber auch noch in einer anderen Band, die heißt Burning Hellmet und ist deutlich rock n’ roll-lastiger als Reaper und hat für mich noch den großen Vorteil, dass ich da nicht zu singen brauche.

 

Jan: Arbeiten als Computerfuzzi... Das mit dem Rockstar werden lässt ja noch auf sich warten... In der Freizeit mach ich abgesehen vom Mopped fahren im Sommer und vom Zusammenbasteln & Anmalen von WARHAMMER Modellen eigentlich nur noch mehr Musik. Wie Daniel hab ich auch noch eine Zweitband, Hellforce, in der ich Bass spiele & singe. Das ganze ist ziemlich rumpeliger Oldschool Death Metal.

 

Thomas: Neben der Arbeit und Familie spielt die Musik schon die größte Rolle. Wie Jan und Daniel habe ich auch ein zweites Projekt. Wir sind gerade am Aufnehmen unserer ersten CD. Es geht in die Richtung Heavy/Trash Metal. Ihr dürft gespannt sein…

 

Was trinkt ihr bei euch zu Hause so (es fragt der verwöhnte Bierfranke)?

Daniel: Zu Hause gibt’s zum Essen eher trockenen Rotwein und in ruhigen Stunden schottischen Whisky. Aber ansonsten bin ich bekennender Biertrinker, wenn wir irgendwo spielen, versuche ich immer die lokalen Sorten zu probieren. Für Kassel kann ich da Fuldabrücker Landbräu empfehlen.

 

Matthias: Nicht zu vergessen, zu unseren Bandproben trinken wir seit Urzeiten Dithmarscher Urtyp in der typischen Stumpenflasche – Kult!

 

Und nun bitte die obligatorischen fünf Lieblingsalben...

 

Daniel:

Im Augenblick:

Sentenced – Amok, Dissection – Reinkaos, Entombed – Clandestine, Razor of Occam – Hommage to martyrs und Vreid – I Krig.

 

Matthias:

Momentan:

Iced Earth-Horror Show, Sentenced-The cold white light,Wintersun-Wintersun, Covenant-Nexus Polaris, Dissection-Reinkaos.

 

Jan:

Momentan:

Iron Maiden - Flight 666, Overkill - Ironbound, Bolt Thrower - For Victory, Ahab - The Divinity of Oceans, Asphyx - Death ... the brutal Way

 

Thomas:

Judas Priest – Painkiller, Fifth Angel – Time Will Tell, Megadeth – Rust In Peace, Artillery – When Death Comes, Forbidden – Das neue Album welches hoffentlich dieses Jahr rauskommt. Hört Euch mal die beiden Songs auf deren Myspace-Seite an.

 

Gute Auswahlen ... muß ich schon sagen...

 

Lieblingsfilme, Bücher, Computerspiele etc.?

Daniel:

Ich bleibe mal bei Büchern. Neben All time faves wie Terry Pratchett und Umberto Eco möchte ich da Neal Stephenson mit seiner Barock Trilogie (Quicksilver, Confusion, Principia) nennen, die lese ich nun schon zum zweiten Mal, absolut empfehlenswert, wenn es mal ein bisschen mehr sein darf. Von Computerspielen lasse ich lieber die Finger, ich bin da einfach zu suchtgefährdet, früher war ich voll auf Age of Empires.

 

Matthias:

Bücher: Frank Schätzing-Der Schwarm, Michael Crichton-Timeline

Filme: Herr der Ringe, Schweigen der Lämmer

Spiele: Diablo II

 

Jan:

Bücher: So ziemlich alles von Pratchett, Cristopher Moore - Die Bibel nach Biff, Herr der Ringe

Filme: Herr der Ringe, Star Wars (die alten), so ziemlich alles von Tim Burton

Spiele: Momentan nur EVE Online und "Book of Unwritten Tales"

 

Thomas:

Bücher: Dimiter Taleff – Der Eiserne Leuchter, Wolfgang Hohlbein – Der Greif

Filme: Herr Der Ringe

Spiele: Civilization IV, Wolfenstein


Einige letzte Worte an eure Anhänger ?

Daniel: Wenn ihr irgendwo ne Hütte habt, wo wir spielen können, sagt Bescheid, für Spritgeld und Bier kommen wir überall hin.


Da werde ich tatsächlich irgendwann darauf zurückkommen ... einstweilen habt vielen Dank für dieses abwechslungsreiche und erhellende Interview!!